OT-Bericht vom 09.12.2025
Auf dem Münchner Jakobsweg
290 km von München nach Lindau in 11 Tagen
Tag 1 - 3
Start in München, vorbei an der Isar nach Schäftlarn, über Andechs bis Wessobrunn – eine eindrucksvolle Etappe mit drei bedeutenden Klosteranlagen, die Geschichte, Spiritualität und Natur harmonisch verbinden.
Tag 4
Vom typischen Allgäuer Bauernhof führt der Weg durch die wildromantische Ammerschlucht bis zum Kloster Rottenbuch – eine Etappe voller landschaftlicher Schönheit, bäuerlicher Tradition und geistlicher Ruhe.
Tag 5 - 6
Von Rottenbuch führt der Weg über sanfte Hügel und blühende Wiesen nach Lechbruck – mit herrlichen Ausblicken auf die Alpen und dem Lech als ständiger Begleiter.
Tag 7 - 8
Von Lechbruck geht es hinauf zum Auerberg mit seiner beeindruckenden Aussicht über das Voralpenland und anschließend weiter nach Kempten – eine Etappe, die Naturerlebnis, Geschichte und städtisches Flair vereint.
Tag 9 - 10
Von Kempten führt der Weg über idyllische Pfade und durch stille Wälder nach Scheideck – eine Etappe voller Ruhe, Naturgenuss und eindrucksvoller Allgäuer Landschaft.
Tag 11
Von Scheideck geht es hinab Richtung Bodensee – mit jedem Kilometer rückt das Ziel näher: die Insel Lindau. Die Ankunft am See ist ein unvergesslicher Moment, wo sich Himmel und Wasser begegnen und die Pilgerreise ihren würdigen Abschluss findet.
- Ein einmalig schöner Pilgerweg geht hier zu Ende -
An einem klaren Herbstmorgen trat ich meinen Weg von München nach Lindau an. Die Stadt lag noch im Nebel, als ich den ersten Schritt auf den Jakobsweg setzte. Bald schon führte mich der Pfad entlang der sanft fließenden Isar, die wie ein treuer Begleiter vor mir glitzerte. Die Ruhe der Natur und das leise Plätschern des Wassers ließen mich tief durchatmen.
Mein erster Halt war Schäftlarn, wo alte Klostergebäude Geschichten aus Jahrhunderten flüsterten. Kurz darauf erreichte ich das berühmte Kloster Andechs, dessen friedliche Atmosphäre und der Duft von frisch gebrautem Bier mich zu einer kleinen Rast einluden – ein Moment purer Gelassenheit auf meiner Reise. Weiter ging es nach Wessobrunn, wo die alten Mauern und verwunschenen Gärten den Atem der Geschichte bewahrten.
Die Etappe über einen Allgäuer Bauernhof ließ mich das einfache Leben auf dem Land spüren: Hühner liefen über den Hof, und Kühe grasten friedlich auf den Wiesen. Ich wanderte durch die Ammerschlucht, eine wilde, geheimnisvolle Landschaft, in der das Wasser die Felsen formte und die Bäume wie schützende Riesen über dem Weg standen. Am Ende der Schlucht erstrahlte das barocke Kloster Rottenbuch in der Sonne – ein Ort der Stille und Besinnung, der mich tief berührte.
Entlang des ruhigen Lechs führte mich der Weg nach Lechbruck. Die Landschaft war wie gemalt, und ich spürte, wie die Müdigkeit der Beine von der Schönheit der Natur vertrieben wurde. Bald schon erklomm ich den Auerberg, und oben breitete sich ein atemberaubendes Panorama über die Allgäuer Alpen aus – ein Moment, in dem alles still stand und nur der Wind Geschichten erzählte. In Kempten angekommen, tauchte ich in die Geschichte der Stadt ein: alte Kirchen, römische Spuren und das bunte Treiben der Straßen erzählten von Jahrhunderten voller Leben.
Die Wanderung durch dichte Wälder nach Scheideck schenkte mir Ruhe und innere Einkehr. Jeder Schritt war begleitet vom Rascheln der Blätter, vom Duft der Erde und von der Vorfreude auf das Ziel. Dann öffnete sich plötzlich die Landschaft, und der Bodensee lag wie ein leuchtender Spiegel vor mir. Lindau, die Inselstadt, begrüßte mich mit historischen Gassen, dem Hafen mit dem Leuchtturm und dem weiten Wasser, das in der Sonne glitzerte. Ein Gefühl von Ankunft, von Vollendung und Dankbarkeit durchströmte mich – ein würdiger Abschluss einer unvergesslichen Pilgerreise.