Präsentationen von

Beate und Manfred Schoch



Der Kinzigtäler Jakobsweg

 von Manfred Schoch

Wie ein Spinnennetz überziehen die Jakobswege unseren Kontinent, um sich in Puenta la Reina zum großen Pilgerstrom durch Nordspanien, dem Camino Real oder Camino Francés, zu vereinen. In der über tausendjährigen Geschichte sind Millionen von Pilgern zum Grab des Apostels Jakobus – dem Vater aller Pilger und Patron für einen guten Tod – nach Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens gezogen.

 

Der Jakobskult und die Wallfahrten nach Santiago de Compostela überwanden bereits im Mittelalter territoriale, politische, sprachliche und kulturelle Grenzen und bildeten die ersten Wurzeln europäischer Gemeinsamkeiten.

 Somit war es nur folgerichtig, dass der Europarat in einer feierlichen Zeremonie am 23. Oktober 1987 in Santiago die gesamten Jakobswege nach Santiago formell zur ersten europäischen Kulturstraße erklärte und den Schutz des "historischen, literarischen, musikalischen und künstlerischen Erbes" empfahl.

 

Im Mittelalter stellte der Schwarzwald ein erhebliches Hindernis für die Menschen dar. So bildete die größte Tallandschaft des Schwarzwaldes, das Kinzigtal, im Südwesten eine wichtige Achse zu den Sammelorten, u.a. Straßburg und den vier großen Pilgerwegen in Frankreich. 1993 wurde diese alte Wegstrecke, der Kinzigtäler Jakobsweg, offiziell eröffnete. Symbol ist die gelbe Muschel auf weißem Grund.

 

Die Patrozinien zu Ehren des Heiligen in Loßburg, Wolfach, Gengenbach und Schutterwald deuten darauf hin, dass diese Orte Stationen eines Pilgerweges durch das Kinzigtal gewesen sein könnten. Durch den Anschluss an den Jakobsweg Rothenburg o.T.– Rottenburg – Thann ist der 127 km lange Kinzigtäler Jakobsweg von Loßburg nach Kehl Teil des europäischen Wegenetzes geworden. Auf der linken Rheinseite findet er die Anbindung zum Elsässer Jakobsweg.

 

Pilgererfahrungen scheinen der Sinnsuche der Menschen von heute eine Antwort geben zu können:

 

"Was hat der Jakobsweg mit mir, aus mir gemacht?

...die Augen geöffnet für neue Welten...

...das Gemüt geöffnet für herrliche Kunstschätze...

...die Ohren geöffnet für Fremde und Weggefährten...

...das Herz geöffnet für Glaubenszeugnisse von gestern und heute...

...den Mund geöffnet für Dank, Bitte und Anerkennung...

...das Leben geöffnet für größere Wirklichkeiten...

...den Sinn geöffnet für Größe und Staunen...

...den Mut geöffnet für weite Wege...

 

Was habe ich auf dem Jakobsweg gefunden?

...Menschen - großzügig und gastfreundlich...

...die unendlich vielen Wege, die das Leben geht...

...Weggefährten, um durch Dick und Dünn zu gehen...

...weites Land, nur zum Durchwandern, nicht zum Besitzen...

...Berge, auf denen nur kurze Verweildauer, für den Blick in die Ferne ist...

...Brücken - alt und neu - die Menschen beider Ufer zusammenführen...

...die vielen kleinen Dinge am Weg, die das Leben ausmachen...

...mich selbst in meinen Grenzen und meinen Chancen...

...mich selbst als staubiger, hoffnungsvoller, müder, zäher Pilger durch Welt und Zeit!...

 

 

(Quelle: Projekt am Gymnasium Rodenkirchen; Für die Pilgerprojektgruppen am Gymnasium Rodenkirchen Stefanie Fuest März 2013)

Manfred Schoch im Dezember 2018


2. Quellmeditation

 

Zurück zum Ursprung lasst uns gehen, zur Quelle.

Lasst uns alles hinter uns lassen,

was uns müde, stumpf und kaputt macht.

An den Anfang lasst uns gehen und neu beginnen.

Lasst uns trinken aus der Quelle, die von Gott kommt,

die heilt und erfrischt, uns klar und hell macht,

uns einen neuen Weg bahnt über Fels und Gestein,

die uns mutig und fröhlich hineilen lässt zum Bach.

Von vielen Bergen lasst uns kommen

und zu Wassern der Freude werden,

einander umarmen,

uns verbinden und vorwärts strömen

mit neuer Energie und überschäumender Kraft.

Zu einem Strom lasst uns werden, der alles in Fluss bringt,

der Neues wagt und mitreißt,

was angstvoll zögern und aufhalten will.

Lasst uns gemeinsam dem Ziel entgegen streben

und zum großen Wasser des Ursprungs gelangen,

 

zu GOTT.