Wegpate und "Schilderpapst" vom Kinzigtal


Wie hatte es Gerhard Junker so treffend bei der Open Air Messe 2019 am "Cruz de Ferro " formuliert, als er in einer nachdenklichen Rede auch von seinem verstorbenen Freund und Jakobuspilger Horst Heitz erzählte: "Horscht, wenn Du in de Himml nufkummsch, redsch mit dem Jakobus, ... und wenn er mr nit Lit bsorgt, die mir hälfe, stirbt des Ganze. Ich kann nimmi wia bisher widermache, ich wur bal 77, es geht so nimmi.

 

Und ich muass eich sage, dr Horscht isch jetz sit 2 Johr tot, er het mir Koryphäe gschickt ...

Wenn ich an die zwei Schoch ́s denk, an de Schmid Franz - do het mr vorhin ä Mann gsait .... - ich hab jo de Franz hochglobt, - dann het ebbe seller Mann zu mir gsait:

 

„Jo, dr Franz macht alles zerscht und dann frogt er erscht.“


Impressionen von Franz Schmid,
der mit  Wegpaten die Etappen gewandert ist

 


Wie kam ich zu den Wegepaten vom Kinzigtäler Jakobusweg?

In Hausach-Dorf sind die Pilger immer wieder geradeaus ins Hauserbachtal gegangen anstatt rechts ab auf den Pfarrberg. Nach telefonischer Rücksprache mit dem Wegpaten Josef Storz durfte ich dort an der betreffenden Stelle ein Schild anbringen.

 

Da ich damals kein Wegpate war, holte ich noch Hartmut Wagner, Pate von Etappe 4, als erfahrenen Wanderer hinzu. So viel zu dem Thema „Franz macht und dann fragt er erst“.

 

„Deshalb mein Vorschlag:

Wandere durch dein Leben Schritt für Schritt, geh nicht allein, nimm Freunde mit.


Klaus Kofler sorgte für Materialnachschub zwischen Schutterwald und Hausach - schneller als UPS. War eines der vielen Kleinteile (Wegweiser, Jakobusmuscheln, Holzunterlagen und Alunägel) nicht mehr vorhanden, wurde es von Gerhard aus Schutterwald anderweilig beschafft. Seine Frau Helga legte die erforderlichen Kleinteile bei der Bäckerei Armbruster in deren "Tour 6" - und am anderen Morgen in aller Frühe befanden sich dann die Teile in Hausach in der betreffenden Filiale von Bäckerei Armbruster.

 

Erlebnis: Kinzigtäler Jakobusweg tut gut, herzerfrischend, echt, pfadig und wild.

 

 


Etappe 2/1: Schenkenzell – Salzlecke

 

Martin Janetzko ist auch Wegwart im Schwarzwaldverein (SWV) Schenkenzell.

Als wir am Abend in St. Roman Hotel Adler müde ankamen und wegen der Dunkelheit nicht nach Schenkenzell zurücklaufen konnten, setzten wir uns an die Hotelbar, bis uns Frau Janetzko abholte.

 

Unser Trinkspruch war: Aufwärts – Vorwärts – Weg!

 

 


Etappe 2/2: Salzlecke – Wolfach

 

Rolf Armbruster brachte es auf den Punkt. Die Schilder nach links oder nach rechts sollten die gleichen Maße bekommen wie die Schilder vom SWV. Sieht doch besser aus - oder ? Natürlich war alles zuhause vorbereitet worden. Dann wurden die Schilder zum jeweiligen Standort gefahren, um sie an Ort und Stelle anzubringen. Insgesamt sind bei solchen Aktionen viele Kilometer mit dem Auto zusammengekommen.


Etappe 5: Zell – Gengenbach

 

Insgesamt war dies für uns die arbeitsintensivste Strecke.

 

Deswegen Hut ab vor Irmi Buchholz! Was diese Powerfrau in den letzten Jahren geleistet hat, muss man gesehen haben : Die Gelbe Raute vom Kandelweg wurde vom Baum entfernt und zusammen mit dem Jakobuszeichen auf eine längere Holzunterlage sorgfältig mit Metall- und Plastikunterlagsscheibchen sowie mit Alunägeln gerade und nicht schräg -aus 10 m Entfernung gepeilt - wieder an den Baum genagelt.

 

Alunägel dürfen nicht ganz eingeschlagen werden, der Baum wird ja mit der Zeit noch dicker im Umfang und das Schild wächst ein, so sind die Vorgaben von SWV.

 

Die Muschel zeigt nach oben, das bedeutet: - geradeaus. Der Rücken von Franz ist breit genug, um als Werkbank herzuhalten (siehe Bild), aber nur für kurze Schrauben . Schwägerin Marlies Schmid war etwas wunderfitzig, wie Frauen halt gelegentlich so sind. Die Überzeugung von Marlies: „Das kann ich doch auch.“

 

Und tatsächlich, wenn wir diskutierten, hatte sie meistens schneller eine Lösung als ich. Nach jeder Kreuzung soll in Sichtweite ein Beruhigungszeichen angebracht werden. Wir verwenden dafür Alunägel und müssen eine Mindesthöhe von ca. 2 m einhalten. Gestrüpp, das von unten heranwächst, verdeckt oft die Schilder und muss entfernt werden. Trotz Dauerregen haben wir durchgehalten. Marlies sagt, wir sind schließlich keine Weicheier. Pilger ,die nicht den Kinzigtäler Jakobusweg laufen, werden solche Augenblicke wie wir hier nicht erleben.

 

Die Welt ist voll kleiner Freuden, die Kunst besteht darin, diese zu sehen.

 

Enkel Theo, 14 Jahre alt, war Spezialist im Schilderkleben.


Flüchtling Maher aus Syrien und sein Betreuer Franz-Josef Wölfle

- Beispiel für Eingliederung …

- … und sinnvolle Freizeitgestaltung

- Zusammenführung von Menschen unterschiedlicher Herkunft auf den Pilgerwegen

 

Warum ich zuletzt am liebsten mit der Natur verkehre ist, weil sie immer recht hat und der Irrtum bloß auf meiner Seite sein kann (Goethe).

 


Etappe 6: Gengenbach – Schutterwald

 

Dann kam der Tag X. Zusammen mit Werner Isenmann bin ich auf dem Fahrrad die Etappe abgefahren. Auf dieser Etappe gab es andere Anforderungen als bisher: Verkehrsschilder, Straßenlaternen, Unterführungen, Straßenkreuzungen - und das alles bei 30° im Schatten.

Es war mehr wie ein Empfang, als wir in Langhurst bei Helga und Gerhard angekommen waren.

 

Man sollte dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat darin zu wohnen.

 

Kalorien sind kleine Tierchen, die nachts die Kleidung enger nähen.